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Rehabilitation nach Coronavirus Erkrankung

By Lukas Höller, 14-12-2020 21:33:04

Coronavirus Reha by VOSS


Mit dem 15.März 2020 wurde in Österreich der erste Lockdown verhängt, um die Ausbreitung der Pandemie einzudämmen. Anfang Dezember 2020 werden vom österreichischen Gesundheitsministerium rund 261.000 Menschen als „Genesen“ bezeichnet. Doch heißt genesen auch wirklich genesen? Zum damaligen Zeitpunkt konnten nur Vermutungen über die Langzeitfolgen bzw. deren Rehabilitationserfolg gestellt werden. In der medizinischen Literatur etabliert sich die Begrifflichkeit „Long Covid“ als Synonym für die Langzeitfolgen der Erkrankung. Welche Folgeschäden durch den „SARS-CoV-2“ auftreten können und welche physiotherapeutischen Rehabilitationsmaßnahmen zur Verfügung stehen, sollen in diesem Blog dargelegt werden.

 

Komplikationen nach einer Covid-19 Infektion

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) dauert eine Coronavirus Infektion im Schnitt zwei bis sechs Wochen (Robert-Koch-Institut, 2020). Männliche Patienten ab dem 65. Lebensjahr und Komorbiditäten wie Bluthochdruck, Diabetes Mellitus, pulmonale, kardio- oder zerebrovaskuläre Erkrankungen, zeigen eine erhöhte Sterberate (Madjid et al., 2020). Das Virus kann sich in vielfältiger Weise und nicht nur in der Lunge, sondern auch in anderen Organsystemen (Nerven-, Herz-Kreislauf-System, Gastrointestinal Trakt, Niere, …) manifestieren. Allerdings existiert, aufgrund der Neuartigkeit des Krankheitsbildes und den sehr unterschiedlichen klinischen Präsentationen, bis jetzt keine einheitliche Definition für Langzeitfolgen. Somit macht es Sinn die bestehenden Beschwerden nicht als einheitliches Phänomen zu betrachten, sondern in verschiedenen Krankheitsbildern zu beschreiben (Mahase, 2020). Das „National Institute for Health Research“ beschreibt in einer ihrer Publikationen, dass auch bei milderen Verläufen im nachhinein Atemprobleme, längerfristige Müdigkeit Erscheinungen (Fatigue Syndrom), Konzentrationsschwächen oder Wortfindungsstörungen bestehen bleiben (Living with Covid19, 2020). Um diese Einschränkungen zu rehabilitieren, empfehlen Leitlinien und Studien die Physiotherapie als ein geeignetes Mittel zum Zweck (Barker-Davies et al., 2020; Wang et al., 2020).

 

Pulmonale Rehabilitation

Die klinische Atemtherapie wird vom Arzt bei respiratorischen Krankheiten verordnet und ist ein Bestandteil der Physiotherapie in der Inneren Medizin. „Respiratorisch“ bedeutet „die Atmung betreffend“. Die pulmonale Rehabilitation umfasst Maßnahmen zur Atemerleichterung, Kräftigung oder Entspannung der Atemhilfsmuskulatur, Mobilisation des Brustkorbs, Pneumonie Prophylaxe und dem Sekret Abtransport (Wang et al., 2020). Auf der Intensivstation liegt der Fokus der physiotherapeutischen Behandlung auf der Sekret Förderung und Belüftung der Lunge. Die meiste Literatur zur Atemtherapie findet man zu älteren Patienten mit COPD oder zur Asthma Erkrankung in der jüngeren Population. Liu et al. (2020) konnten durch Atemtherapie bei älteren Covid Patienten eine Verbesserung der respiratorischen Funktionalität, Lebensqualität und eine Reduktion der Angstzustände nachweisen (Liu et al., 2020)

 

Fatigue-Syndrom

Das chronische Erschöpfungssyndrom (CFS), ist ein häufiges nicht scharf definiertes Krankheitsbild, dessen Leitsymptom eine lähmende geistige und körperliche Erschöpfung bzw. Erschöpfbarkeit ist. Um den Zustand als CFS bezeichnen zu können, müssen die Symptome länger als 3 Monate bestehend sein. Eine Studie aus Großbritannien von Halpin et al. (2020) zeigt ein besonders häufiges Auftreten des Syndroms nach einer Covid-19 Erkrankung. Von 100 befragten Patienten, welche aufgrund einer Coronavirus Erkrankung eine Hospitalisierung benötigten, zeigten 61 davon ein Fatigue-Syndrom (Halpin et al., 2020). Es wurden keine Unterschiede bezüglich der Volksgruppenzugehörigkeit oder dem Body-Mass-Index (BMI) gefunden.

Um diese Einschränkung des täglichen Lebens unter Kontrolle zu bringen, empfiehlt das NICE folgende Punkte zu berücksichtigen (NATIONAL INSTITUTE FOR HEALTH AND CARE EXCELLENCE, 2020):

·      Erstellung eines individuellen „Energieplans“

·      Beibehaltung der körperlichen Aktivität

·      Behandlung der orthostatischen Intoleranz (Symptome wie Schwindel, Herzrasen, Sehstörung, Übelkeit, Schwäche, Benommenheit, etc. im ruhigen Stand)

·      Bewusste Wach- und Schlafphasen planen

·      Auf ausgewogene Ernährung achten

·      Trotz Übelkeitsschüben die Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr aufrechterhalten

·      Wenn notwendig auf psychologische Hilfe zurückgreifen

Um den Alltag nach einer Covid-19 Erkrankung wieder bewältigen zu können, muss also das Niveau der Belastbarkeit erhöht werden. Hierfür ist ein strukturierter Trainingsplan von Nöten, welcher die körperlichen Defizite des Patienten oder der Patientin berücksichtigt. Das NICE rät von einem unspezifischen Training stark ab, da dies die Intensität der Fatigue verstärken könnte. 

 

Unsere Herangehensweise der Rehabilitation

Wir bei VOSS, stehen Ihnen gerne zur Verfügung, um Ihre Rehabilitation von einer Covid-19 Erkrankung, mit evidenzbasiertem Wissen zu unterstützen. In der pulmonalen Rehabilitation lernen Sie, auf die Defizite abgestimmte, Ein- und Ausatemtechniken, Dehnlagerungen und den richtigen Umgang mit Atemtherapiegeräten, kennen. Diese Maßnahmen müssen früh in der Rehabilitation angesetzt werden, um keine bleibenden Schäden zu erleiden bzw. die Lungenfunktion rasch wiederherstellen. 

Beim Fatigue-Syndrom sind Kontrolle und Planung das A und O. Dabei setzt der derzeitige Stand der Wissenschaft auf Kraftausdauertraining bei moderater Herzfrequenz (Guillamo et al., 2016). Um den notwendigen Rahmen zu gewährleisten, steht Ihnen bei VOSS ein multidisziplinäres Team bei Seite, welches Sie auf dem Weg zur alten Normalität begleitet.

 

 

Literatur

 

Barker-Davies, R. M., O’Sullivan, O., Senaratne, K. P. P., Baker, P., Cranley, M., Dharm-Datta, S., Ellis, H., Goodall, D., Gough, M., Lewis, S., Norman, J., Papadopoulou, T., Roscoe, D., Sherwood, D., Turner, P., Walker, T., Mistlin, A., Phillip, R., Nicol, A. M., … Bahadur, S. (2020). The Stanford Hall consensus statement for post-COVID-19 rehabilitation. British Journal of Sports Medicine54(16), 949–959. https://doi.org/10.1136/bjsports-2020-102596

 

Guillamo, E., Barbany, J. R., Blazquez, A., Delicado, M. C., Ventura, J. L., & Javierre, C. (2016). Physical effects of a reconditioning programme in a group of chronic fatigue syndrome patients. The Journal of Sports Medicine and Physical Fitness56(5), 579–586.

 

Halpin, S. J., McIvor, C., Whyatt, G., Adams, A., Harvey, O., McLean, L., Walshaw, C., Kemp, S., Corrado, J., Singh, R., Collins, T., O’Connor, R. J., & Sivan, M. (2020). Postdischarge symptoms and rehabilitation needs in survivors of COVID-19 infection: A cross-sectional evaluation. Journal of Medical Virology. https://doi.org/10.1002/jmv.26368

 

Liu, K., Zhang, W., Yang, Y., Zhang, J., Li, Y., & Chen, Y. (2020). Respiratory rehabilitation in elderly patients with COVID-19: A randomized controlled study. Complementary Therapies in Clinical Practice39, 101166. https://doi.org/10.1016/j.ctcp.2020.101166

 

Living with Covid19. (2020). National Institute for Health Research. https://doi.org/10.3310/themedreview_41169

 

Madjid, M., Safavi-Naeini, P., Solomon, S. D., & Vardeny, O. (2020). Potential Effects of Coronaviruses on the Cardiovascular System: A Review. JAMA Cardiology5(7), 831. https://doi.org/10.1001/jamacardio.2020.1286

 

Mahase, E. (2020). Long covid could be four different syndromes, review suggests. BMJ, m3981. https://doi.org/10.1136/bmj.m3981

 

NATIONAL INSTITUTE FOR HEALTH AND CARE EXCELLENCE. (2020). Guideline: Myalgic encephalomyelitis (or encephalopathy)/chronic fatigue syndrome: Diagnosis and management.

 

Robert-Koch-Institut. (2020). Epidemiologischer Steckbrief zu SARS-CoV-2 und COVID-19. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html;jsessionid=573F8AFEC97A573F99119EF22D7D1043.internet081#doc13776792bodyText9

 

Wang, T. J., Chau, B., Lui, M., Lam, G.-T., Lin, N., & Humbert, S. (2020). Physical Medicine and Rehabilitation and Pulmonary Rehabilitation for COVID-19. American Journal of Physical Medicine & Rehabilitation99(9), 769–774. https://doi.org/10.1097/PHM.0000000000001505